Hallo liebe Leute!
Seit ich von den liebsten Eltern der Welt meinen eigenen Laptop bekommen habe,
meldet sich ab und zu meine kreative Ader. Ich schreibe kleine Kolumnen, meine
Gedankengänge zu bestimmten Themen. Und da
ich ja gerade 18 geworden bin, ging mir Folgendes durch den Kopf:
Wir werden erwachsen –
werden wir erwachsen?
Ich sitze hier, an meinem
neuen Laptop den ich zum 18. Geburtstag von meinen Eltern bekommen habe und
sehe mir mehr oder weniger „alte“ Fotos an.
Es sind Bilder vom
Waldeinsatz im März 2004, also von vor 18 Monaten. Da sehe ich ein Foto von
mir, in dem ich in die Kamera lächle. Ich denke: Bin das wirklich ich? Ich sehe
so jung aus. Dank Hightech kann ich zum Vergleich ein anderes Foto von mir
gleichzeitig öffnen. Eins von meiner letzten Geburtstagsparty, es ist vier Tage
alt.
Da vergleiche ich nun zwei
Bilder, auf einem bin ich 16, auf dem anderen 18. Ich sehe deutlich, dass ich
mich verändert habe. Mein Gesicht ist jetzt voller und ich sehe fraulicher aus.
Und das liegt nicht nur daran, dass ich auf dem neuen Bild ein schickes Top und
auf dem alten Arbeitsklamotten trage.
Ich schalte Musik an und
denke nach. Ich habe mich nicht nur äußerlich verändert. Ich bin in der Zeit
auch ein völlig anderer Mensch geworden. Auf vielen Bildern vom Waldeinsatz bin
ich mit meinem besten Freund zu sehen. Zumindest war er mal mein bester Freund.
Damals fühlte ich mich schon unglaublich erwachsen. Ich hatte einen männlichen
Freund der aber nicht mein Freund war. Ich ging öfters zu ihm, wir lernten für
Klausuren, es war einfach eine schöne Zeit.
Bis er mir dann die
Freundschaft gekündigt hat. Hat mich das geprägt? Ich weiß es nicht. Mir wurde
schon des Öfteren die Freundschaft gekündigt. Jetzt bin ich 18 und habe eine
Horde Mädels, mit denen ich jede Menge Spaß haben kann.
Wir lachen, machen
Videoabende, spielen SingStar und führen dabei peinliche Tänze auf. Das Ganze
können wir Dank der heutigen Technik mit Digitalkameras für die Nachwelt
festhalten, auf das uns irgendwann ein Enkelkind fragt: „Oma, warum siehst’n du
da so bescheuert aus?“
Aber sind wir nun wirklich
erwachsen? Vor dem Gesetz sind wir voll strafmündig. Ermorden wir jemanden
kaltblütig, bekommen wir die Strafe, die eines erwachsenen Mörders angemessen
ist. Wir können Vollzeit arbeiten, Jobs annehmen, hochprozentigen Alkohol
kaufen, uns in der Schule selbst Entschuldigungen schreiben und uns legal Filme
ohne Jugendfreigabe ansehen.
Aber wollen wir das? Als
hätten wir uns nicht vorher schon Filme ab 18 angesehen und es war viel cooler,
als wir es noch nicht durften. Und wenn ich das nächste Mal die Schule nicht
besuchen kann, frage ich sicherlich aus Gewohnheit meine Mutter, ob sie mich
nicht entschuldigen könne. Wir können nun alles in unserem Leben selbst
entscheiden, die Schule abbrechen wenn wir es wollen, eine schäbige Wohnung
beziehen, eine miese Arbeit annehmen und unsere Eltern können zwar sagen:
„Kind, du ruinierst dir deine Zukunft!“ aber auf sie hören müssen wir nicht
mehr.
Natürlich gilt für
diejenigen unter uns, die noch zu Hause wohnen, die goldene Regel „Solange du
deine Füße unter meinen Tisch stellst...!“ aber das ist auch die einzige
„Einschränkung“.
Wollen wir denn schon
>erwachsen< sein? Alles selbst entscheiden? Von heut auf morgen? Viele
sind dem noch gar nicht gewachsen, und ich wäre wirklich aufgeschmissen, wenn
meine Eltern gesagt hätten: „Ab dem 13.10. verweigern wir jede Aussage!“. Den
Rat der Eltern braucht man immer wieder. Aber deswegen sind wir keine Kinder.
Wir sind irgendwas dazwischen, 18jährige, die in SingStar Mikrofone stöhnen,
aber erwachsen genug sind, um die Verantwortung für einen beschwipsten
Mitschüler zu übernehmen und ihn nach Haus zu begleiten.
Es ist doch so: Wir sind
junge Erwachsene die heranreifen, erfahrener werden um später vollwertige
Erwachsene zu sein, die zu Menschen in unserem jetzigen Alter sagen: „Ich bin
erwachsen, ich weiß es besser als du!“, aber wir bleiben doch Kinder, und zwar
die Kinder unserer Eltern, die einen Großteil zu dem beitragen, was wir sind
und werden.